Archiv der Kategorie: Partnergemeinde Saransk

Nachrichten aus Saransk

Nikodemus Redler gestorben
Telefonisch erfuhr ich durch Pastor Michelis Ende Juni die traurige Nachricht, dass Nikodemus Redler in Stadtallendorf / Hessen gestorben ist.
Er war wohl schon länger krank; denn ich erreichte ihn seit Monaten nicht mehr, weder in Hessen noch in seinem Haus am Rande von Polessk, wo er die meiste zeit des Jahres verbrachte, weil er dort die Freiheit und Weite der Landschaft erleben konnte.
Der bescheidene, freundliche Russlanddeutsche hatte Anfang der 90er Jahre nach der Auswanderung aus Kasachstan und kurzem Aufenthalt in Deutschland zusammen mit seiner Schwester am Rand der Kreisstadt Polessk (früheres Labiau) eigenhändig zwei zweigeschossige Häuser erbaut. Von 1999 bis 2014 bekamen wir dort mit unseren Gruppen endlich ein brauchbares Quartier mit guter Verpflegung durch seine Wirtschafterin. Unsere jüngeren Reiseteilnehmer fanden schlichtere und billigere Schlafplätze im großen Dachgeschossraum der Garage.
Nikodemus wich mit Frau und Kindern in die Saunaräume aus, um für uns Platz zu machen. Am Badesee baute er uns einen Steg zum leichteren Ein- und Ausstieg. Unvergesslich, wie Nikodemus unsere Gruppe einmal im selbst gebauten Motorboot auf Deimefluss und Friedrichsgraben zu einem Picknick weit hinaus fuhr. Er hat als hilfreicher Gastgeber viel zum äußeren Gelingen vieler unserer Partnerschaftsreisen beigetragen.
Seit 2015 ist uns Ausländern das Wohnen bei Privatleuten verboten. Wir übernacheten seitdem im Hotel Forsthaus in Sosnowka, blieben aber mit Nikodemus in telefonischer Verbindung. Nun fehlt uns dort schon wieder ein vertrauter Bekannter.

Sorgen um chronisch Kranke
Bei Valerij Koslow in Nachimowo hat sich seine Nierenschwäche so sehr verschlimmert, dass er nun wöchentlich viermal zur Dialyse muss, die nur im Gebietskrankenhaus in Kaliningrad (ca. 60 km entfernt) möglich ist, wohin ihn treusorgend seine liebevolle Schwiegertochter fährt. Spenden aus Heroldsberg decken die Behandlungskosten ab. Wie lange kann er sich daheim noch an seinen drei Enkelbuben freuen, die er kaum noch erkennen kann, weil auch seine Augen immer mehr versagen?

Die trotz allem humorvolle Ljuba Koslowa und ihr Mann, der sangesfreudige Anatolij Koslow in Saransk müssen we- gen ihrer chronischen Herz- und Diabeteskrankheiten immer wieder zur Behandlung ins Kreiskrankenhaus in Polessk; eine endgültige Heilung ist nicht mehr möglich.
Bei Wolodja, dem Sohn von Irina Komorowa in Druschnoje, macht sich der schon lange behandelte und überwunden geglaubte Krebs leider wieder bemerkbar. Welche Art der Behandlung könnte dauerhaft helfen?

Zu viert in die Partnergemeinde
In unsere Partnergemeinde Saransk fahren wir Anfang September zu viert. Denn Hansjörg Bosch (zum 3. Mal seit 1996) und seine Frau Maria (zum 2. Mal nach 2014) begleiten meine Frau und mich erfreulicherweise. Am Montag, 2. September, wollen wir nachmittags in der Wohnküche von Wera Frisen einen Gottesdienst feiern. Meine Predigt wird Pastor Michelis gleich ins Russische übersetzen; denn Ausländer dürfen in Russland nicht mehr predigen; die deutsche Fassung lesen wir Deutschen still vom Blatt; so wird das Verbot umgangen. Lieder werden wir zusammen zweisprachig aus dem russisch-deutschen Gesangbuch singen.
Bei unseren Besuchen der Familien können wir mit Stoffen, Strickwollen, gut erhaltener Bettwäsche und Handtüchern Freude bereiten.

Wir danken Ihnen für jede Unterstützung der Partnerschaftsarbeit.

Im 25. Jahr unserer Gemeindepartne schaft feiern wir den Heroldsberger Saransk-Gottesdienst am 20. Oktober in der St. Matthäuskirche.
Dazu laden wir Sie schon heute herzlich ein.
Mit guten Wünschen grüßt Sie freundlich Klaus Plorin

Neues aus Saransk

Dank und Grüße
An der Jahreswende bekamen wir, von Pastor Michelis telefonisch und von Wera Frisen per E-mail, „großen Dank“ für unsere Weihnachtsbriefe und herzliche Glück- und Segenswünsche für uns alle im neuen Jahr.
Die Besucher vom Vorjahr denken oft und sehr gerne an die erfüllten Tage in Heroldsberg zurück und freuen sich auf unseren Gegenbesuch in diesem Jahr.
Den planen wir und laden dazu herzlich ein (s. unten !).

Weihnachtsfeier
Orthodoxe Russen feiern das Geburtsfest Jesu erst am 6. Januar. Unsere Partner in Saransk aber nach evang.-luth. Tradition am 25.12., der dort ein Arbeitstag ist. In Wera Frisens Wohnküche gab es nach dem Gottesdienst mit Pastor Michelis wieder eine fröhliche gemeinsame Mahlzeit, zu der fast alle der 20 Anwesenden etwas aus eigenen Vorräten beisteuerten. Danach gab Pastor Michelis unsere Weihnachtsgrüße weiter und verteilte die Briefe mit dem nach Familiengröße und Bedürftigkeit gestaffelten Geldbetrag und meiner von Karola Zenker ins Russische übersetzten Andacht. In ihr ermutigte ich dazu, den Auftrag der Jahreslosung 2019 zu befolgen: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) Bei unserer Suche und Bemühen um Frieden im Persönlichen, in der Familie, der Nachbarschaft, der Gemeinde und unter Arbeitskollegen sei Jesus Christus der beste Ratgeber und Helfer. Wenn wir unseren Mitmenschen mit Jesu Kraft der Liebe begegnen, werden wir zu tatkräftigen Zeugen der frohen Botschaft von Weihnachten.

Hilfreiche Spenden
Ein greifbarer Beweis unserer Liebe zu unseren Schwestern und Brüdern in der Partnergemeinde sind die von Ihnen gegebenen und verantwortungsvoll weitergegebenen Spendengelder. Unsere Weihnachtsgaben sind dort heuer besonders hilfreich und nötig. Denn bei steigenden Lebensmittelpreisen gerade im Winter und weiterer Inflation sind die Renten und Löhne nicht erhöht worden.
Die meisten Gemeindeglieder haben ein für russische Verhältnisse hohes Alter erreicht und sind anfälliger für Krankheiten geworden. Viele leiden an chronischen Erkrankungen, besonders an Diabetes. Sie müssen – obwohl Kostenfreiheit versprochen ist – oft doch für ihre Medikamente selbst zahlen, um sie bei häufigem Mangel überhaupt zu bekommen. Zur Zeit grassieren Erkältungen und Grippeerkrankungen.
Walerij Koslow in Nachimowo ist neben seiner schweren Nierenkrankheit dazu noch durch seinen Diabetes inzwischen fast erblindet. Ob eine Laser-Operation im Februar ihm etwas Sehkraft zurückbringt, ist unsicher. Doch ob die OP überhaupt stattfindet, ist nun wohl auch eine Kostenfrage. Ein Trost sind für ihn seine drei Enkelsöhnchen, die sich rührend um den Opa bemühen.

Vielleicht letzte Reise nach Saransk
Nach der Reisepause im Vorjahr wollen wir heuer – aus Altersgründen vielleicht zum letzten Mal – noch einmal hinfahren und laden zur Mitreise ein. Termin (evtl. Juni oder September) und Dauer der Reise sind offen und können mit möglichen Interessenten verabredet werden. Die Reise ist in hohem Maße anregend. Möglich ist unterwegs der Besuch von Gdansk / Danzig und Malbork mit der großartigen Marienburg (beides Weltkulturerbe). Am 2. Tag erreichen wir unser gutes und preiswertes Hotel in Sosnowka.

Neben Besuchen bei den Familien und dem Gottesdienst planen wir Ausflüge in die Gebietshauptstadt Kaliningrad (früheres Königsberg) mit sehenswerten Bauwerken und dem Stadtbild in deutsch-russischer Mischung, sowie zur malerischen Ostseeküste mit der eigentümlichen Kurischen Nehrung.

Rufen Sie uns doch gerne an, wenn Sie ein vorläufiges Interesse haben und weitere Informationen brauchen!
Telefon 0911 / 57 00 509

Mit herzlichem Dank für Ihre Unterstützung durch Gebete und Spenden und mit guten Wünschen für Sie im neuen Jahr grüßen Sie freundlich
Diemut und Klaus Plorin

Neues aus unserer Partnergemeinde Saransk

Erntedankfest fröhlich gefeiert
In den Landgemeinden der russischen Propstei Kaliningrad, also auch in unserer Partnergemeinde, ist der Erntedank ein besonders wichtiges Fest im Kirchenjahr. Weil die Bezahlung für ihre Berufsarbeit meistens kaum ausreicht, sind fast alle Menschen dort auf Gemüse, Kartoffeln und Obst aus ihren oft großen Gärten sehr angewiesen. Sie wenden viel Zeit und Arbeit an Saat und Pflege der Pflanzen, an deren Ernte, Verarbeitung, Haltbarmachung und Lagerung für die Winterzeit auf. So haben sie ein gefühlsmäßig viel engeres Verhältnis zu den Früchten als wir hier, die wir sie meist aus großer Auswahl in unseren Läden kaufen können.

Der Erntealtar in Weras Wohnküche wurde wieder fantasievoll gestaltet, fast alle Besucher des Gottesdienstes haben aus ihren eigenen Gärten einige Früchte mitbrachten.
Da es im russischen Gesangbuch seltsamerweise kein Erntedanklied gibt, sang man mehrere passende Strophen der russischen Übersetzung von Paul Gerhardts Lied „Ich singe dir mit Herz und Mund…“ (EG 324).
Wie schon in den Vorjahren wurde auch diesmal der duftende Inhalt des so gut gefüllten, großen Früchtekorbs anschließend einem Kindergarten in der Kreisstadt Polessk geschenkt, wo man sich darüber sehr freute.

Dolmetscher bei Visitation
Pastor Michelis, der fließend Russisch und Deutsch spricht, wirkte schon oft als Simultandolmetscher bei Synoden und internationalen kirchlichen Konferenzen mit. Nun wurde er vom 13. bis 16. Oktober wieder einmal dringend gebraucht. Denn es fand eine Visitation der Propstei statt, ein turnusgemäß alle paar Jahre üblicher beratender Besuch durch die kirchlichen Vorgesetzten.
Es kamen nach Kaliningrad der Erzbischof der Evang.-Luth. Kirche in Russland aus Moskau, der zuständige Oberkirchenrat von der EKD in Hannover und Pastorin Christa Hunzinger aus Hamburg.
Pastor Michelis dolmetschte beim Eröffnungsgottesdienst der Visitation in der Auferstehungskirche, bei Gesprächen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Gebietes Kaliningrad, mit dem Bischof der Russ.-Orthodoxen Kirche, dem deutschen Generalkonsul und mit Sozialbehörden beim Besuch im Altenheim Carl-Blum- Haus. So trug Pastor Michelis dort überall sehr zum gegenseitigem Verständnis bei.

Herzlichen Dank an alle Spender
Heuer wurde in Heroldsberg wieder erfreulich gut für unsere Partner in Saransk gespendet. Dafür danke ich dem Freundeskreis persönlich und im Namen von Pastor Michelis und der dortigen Familien sehr herzlich. So konnten im Sommer die Visa- und Reisekosten unserer acht Besucher bezahlt werden. Und auch zum Weihnachtsfest können wir wieder, nach Größe der Familien gestaffelt, mit einem Geldbetrag eine kleine Hilfe geben und Freude machen. Meine Weihnachtsandacht übersetzte diesmal Karola Zenker, die auch beim Besuch in Saransk im Vorjahr dolmetschte.

Den herzlichen Segenswünschen an Sie alle zum Fest und neuen Jahr von Pastor Michelis und aus Saransk schließen meine Frau und ich uns hiermit gerne an.
Pfr. i.R. Klaus Plorin

Besuch aus Saransk

Fünf fröhliche Besuchstage
Mit Pastor Michelis und sieben Gemeindegliedern aus Saransk hatten wir an den fünf Besuchstagen vom 30.8. bis 3.9. eine Menge fröhliche und besinnliche Erlebnisse; nur von einigen kann ich hier kurz berichten:
Nach Ankunft der Gäste am Donnerstagmorgen bei uns in Rückersdorf und ausführlichem Frühstück unternahmen wir einen Spaziergang über den Friedhof, der so ganz anders gestaltet ist als die russischen. Auch die Urnennischen, das anonyme Gräberfeld und die Gedenksteine für die hier gestorbenen russischen Zwangsarbeiter fanden das Interesse der Gäste.
Nach dem Mittagessen und der Ruhepause holten die Ehepaare Drescher, Bosch und Bub fünf Besucher nach Heroldsberg, drei blieben bei uns.

Das Pfarrhaus zeigte sein schönes Fachwerk erstmals wieder ohne Gerüst, als wir Gastgeber mit unseren Gästen und einigen Saranskfreunden uns am Freitagmorgen dort trafen. Pfr. Thilo Auers begrüßte unsere Gäste mit einem Willkommensgeschenk, stellte die Gemeinde kurz vor und zeigte sich erfreulich aufgeschlossen für unsere Gäste. Diese waren bei einem Rundgang natürlich sehr beeindruckt von unserer Matthäuskirche mit ihrer Architektur und ihren vielen sehr sehenswerten Kunstwerken, aber auch von der so ganz anders gestalteten Margarethenkirche.
Nachmittags machte der Besuch des Thermal-Bades in Hersbruck besonders unseren Gästen großen Spaß. So etwas gibt es bisher im Kaliningradgebiet nicht.
Am Samstag trafen wir uns in Nürnberg an der Haltestelle Herrnhütte der U2. Die Fahrt in der fahrerlosen U-Bahn, aber auch die in der Tram vom Plärrer zum Tiergärtnertor war für die Gäste vom Land ein besonderes Erlebnis. Nachdem wir von der Burgfreiung auf Nürnberg hinabgeschaut hatten, animierte die malerische Partie vom Kettensteg an der Pegnitz über den Henkersteg bis zum Hauptmarkt mit dem Schönen Brunnen zu vielen Fotos. Länger und besinnlich verweilten wir in den Kirchen St. Sebald und St. Lorenz, wo unsere Gäste sogar einen Kurzführer in russischer Sprache bekamen.
Den langen erlebnisreichen Tag beschloss das gute gemeinsame Abendessen mit vielen Gesprächen bei Familie Bosch.

Am Sonntag konnten wir den Saransk- Gottesdienst nun auch einmal mit Gästen von dort feiern. Pastor Michelis übersetzte die Begrüßung durch Pfr. Thilo Auers, die Gebete und meine Predigt immer sofort ins Russische. Die vier Choräle und der Kanon „Lobet und preiset… / Slawtje narodi…“ wurden gleichzeitig in beiden Sprachen gesungen. Die von Pfr. Auers geleitete Abendmahlsfeier vereinte uns alle bei der Austeilung vor dem Altar in geschwisterlicher Gemeinschaft, beim geistlichen Höhepunkt des Besuchs.
Nach dem Mittagessen (Catering durch Frau Zilk) am schön gedeckten Tisch im Gemeindesaal gab Alexander Borgardt vom Musikinstitut Heroldsberg auf seinem Knopfakkordeon ein virtuoses kleines Konzert und brachte uns dann mit schwungvoller Begleitung beim Singen russischer und deutscher Volkslieder in eine sehr angeregte Stimmung. Pfarrerehepaar Auers verabschiedete sich, bevor mit einem Spaziergang zur Oberen Bergstraße der festliche Nachmittag ausklang.

Am Montag kauften unsere Besucher nach einem Rundgang durch die Altstadt von Lauf einiges an Geschenken für ihre Familien. Nach dem Essen bei uns in Rückersdorf feierten wir mit Gesang zu Flöten und Gitarre ein kleines Abschiedsfest.
Als später die Sonne nochmals schien, machten alle mit bei einem lustigen Bocciaspiel mit den bunten Kugeln in unserem Garten. Am frühen Abend holte ein Kleinbus unsere Gäste ab, die sich beim Abschied nochmals herzlich für die großzügige Heroldsberger Gastfreundschaft bedankten. Am nächsten Vormittag kamen sie wohlbehalten wieder daheim an.
Klaus Plorin

Besuch aus Saransk 30.8.-3.9.18

Fußball-WM auch in Saransk?
Falls Sie sich für die Fußballweltmeisterschaft in Russland interessierten, haben Sie wohl mit Recht gestaunt, dass dabei einige Spiele auch in Saransk stattfanden. Das ist aber bitte nicht zu verwechseln mit dem kleinen Dorf, das wir im russischen Ostpreußen seit 1995 kennen und besuchen.
Das WM-Stadion steht natürlich im anderen Saransk, der großen Haupt- und Universitätsstadt der russischen Teilrepublik Mordwinien, etwa 450 km östlich Moskaus. Als nach dem 2. Weltkrieg auch Mordwinen als Neusiedler in das nun entvölkerte Gebiet Nord-Ostpreußens geholt wurden, gaben sie dem bisher deutschen Kirchdorf Laukischken den neuen Namen „Saranskoje“ („kleines Saransk“ oder
„Saransk-Dorf“), das aber dort und auch von uns meistens verkürzt nur Saransk genannt wird.

Unsere Besucher vom 30.08. bis 03.09.
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ – An diesen Auftrag aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 2, erinnerte Pfarrerin Cornelia Auers in der Juni-Ausgabe.
Auch wir wollen Ende August wieder einmal, drei Jahre nach dem letzten Besuch aus Saransk, für Pastor Michelis und sieben russische Gäste aus der Partnergemeinde; von denen vier zum ersten Mal hierher kommen, freundliche Gastgeber sein.
Quartiergeber sind diesmal die Ehepaare Bosch, Bub und Drescher sowie wir Plorins in Rückersdorf. Es wäre gut und ein lebendiges Zeichen unserer partnerschaftlichen Verbundenheit, wenn sich an unserem vielseitigen Programm (siehe unten!) mit unseren interessanten Gästen auch möglichst viele weitere Heroldsberger beteiligen würden. Wir laden auch Sie dazu herzlich ein!

Die Finanzierung
Bei seinem Besuch Ende Mai konnte Pastor Michelis von unserem Pfarramt die notwendigen Einladungen für die Visagenehmigung und vom Spendenkonto die notwendige Geldsumme für die Visagebühr, die Fahrtkosten und für ein Taschengeld der Gäste mitnehmen. Denn aus eigenen Mitteln könnten unsere Gäste eine solche Reise gar nicht finanzieren. Den ganz herzlichen Dank von Pastor Michelis und den angekündigten Gästen gebe ich weiter an Sie alle, die das durch ihre Spenden möglich gemacht haben !

Programmplanung und Einladungen
Wenn unsere Gäste am Donnerstag, 30.08., nach etwa 20-stündiger Reise gegen Morgen bei uns Plorins in Rückersdorf ankommen, ist zunächst ihre Erholung und Erfrischung nötig. Zusammen mit allen Quartiergebern sind eine Mahlzeit, wichtige Informationen, Verabredungen und eine erste Programmvorschau vorgesehen. Drei Gäste bleiben bei Plorins, fünf werden nach Heroldsberg mitgenommen. Pastor Michelis wird als Dolmetscher bei der Quartierankunft helfen. Eine zeitige Nachtruhe wird den Gästen gut tun.

Falls Sie Zeit und Lust dazu haben, kommen doch auch Sie dazu, wenn wir uns am Freitag, 31.08., gegen 10.00 Uhr im Pfarrhaus von Heroldsberg zu einer offiziellen Begrüßung der Gäste durch Pfr. Auers treffen! Die Gäste werden sich persönlich vorstellen. Unseren kleinen Rundgang durch den Ort fangen wir in der Matthäuskirche an. Dazu und auch zum gemeinsamen Mittagessen im italienischen Gasthaus „Goldener Anker / Deierlein“ am Oberen Markt sind Sie herzlich eingeladen (Voranmeldung im Pfarrbüro wäre für die Tischreservierung sehr hilfreich!)
Nachmittags planen wir einen Ausflug in die malerische Altstadt von Hersbruck.
Auch am Samstag, 01.09., können Sie gerne an unserem Rundgang durch Nürnberg und dem gemeinsamen Mittagessen teilnehmen. Verabreden Sie Ihre Teilnahme bitte bei Ehepaar Maria und Hansjörg Bosch!

Am Sonntag, 02.09., feiern wir ab 10 Uhr unseren Saranskgottesdienst mit den Gästen, Pastor Michelis, Pfr. Auers (Abendmahl) und Pfr. Plorin.
Dazu und zum anschließenden kostenlosen Mittagessen im Gemeindesaal (bitte im Pfarrbüro oder bei Familie Bosch die Teilnahme anmelden!) sowie zu einem bunten Nachmittagsprogramm mit Fotos aus Saransk, Kaffee, Tee und Kuchen und anderem laden wir Sie und alle Interessierten herzlich ein. Von der Kirche zum Gemeindezentrum und im Anschluss an den Festnachmittag zu Ihrer Heimfahrt bieten wir gerne einen kostenlosen Fahrdienst an.

Montag, 03.09., ist Abschiedstag
Vormittags zeigen wir unseren Gästen die Altstadt von Lauf und bieten ihnen gewünschte Einkaufsmöglichkeiten. Nach dem Mittagessen bei uns Plorins in der Rückersdorfer Waldstraße 15, Telefon 0911 / 57 00 509, nehmen wir mit einer fröhlichen Kuchentafel, zu der auch Sie herzlich eingeladen sind, Abschied von unseren Gästen.

Es grüßen freundlich Diemut und Klaus Plorin

Neues aus Saransk

Besucher kommen Ende August

Die seit fast 23 Jahren bestehende kirchliche Partnerschaft zwischen Heroldsberg und den Menschen in der Ev.-Luth. Gemeinde in und um Saransk im russischen Kaliningrad-Gebiet braucht, um lebendig zu bleiben, natürlich regelmäßige Kontakte. Diese sind wegen der großen Entfernung von rund 1.200 km zwischen Heroldsberg und Saransk nicht leicht zu halten.

Wir versuchen es auf verschiedene Weise:
Alle 14 Tage nach dem Gottesdienst, der dort in Vera Frisens Wohnküche am Montagnachmittag gefeiert wird, telefoniere ich mit dem die Gemeinde betreuenden Pastor Wladimir Michelis. Das ist heute ohne Probleme gut möglich. Er berichtet mir von Freud und Leid in der Gemeinde, von dem ich dann alle zwei Monate eine kleine Auswahl auf diesen beiden dafür reservierten Seiten des „ein Blick…“ an Sie weitergebe. Und ich gebe über Pastor Michelis weiter, was aus Heroldsberg für Gemeindeglieder in Saransk interessant sein könnte.

In fast jedem Jahr seit 1995 unternahmen meine Frau und ich, meist mit einer Gruppe interessierter Heroldsberger, für mehrere Tage eine Reise nach Saransk, zu Besuchen in den Familien und gemeinsamen Gottesdienst. Im Heroldsberger Saransk-Gottesdienst berichteten wir danach in Wort und Bild von unseren Begegnungen.

An die „Saransk-Freunde“, welche die Partnerschaft mit Geld- und manchmal auch Sachspenden unterstützen, schreibt meine Frau in unregelmäßigen Abständen einen Brief mit weiteren Informationen über und von unseren Freunden in und um Saransk.

In der Adventszeit überbringen Berliner Freunde in jedem Jahr unser Weihnachtspäckchen, das mit einer Schmuckkarte, meinem ins Russische übersetzten Weihnachtsgruß und gestaffeltem Geldgeschenk für jede Familie gefüllt ist – ein Zeichen unserer liebevollen Verbundenheit. Außerdem bekommt Pastor Michelis Geld für die wöchentlich mehrmalige Behandlung eines Dialysekranken und Geld für einen Notfond, aus dem er in akuten Notfällen schnell Hilfe geben kann.
Im Namen der Menschen in Saransk bedanke ich mich an dieser Stelle ganz herzlich für alle Spenden. Sie machen die weiterhin so notwendigen Hilfen in Saransk erfreulicherweise immer wieder möglich.

Da wir heuer keine Fahrt nach Saransk planen, ist stattdessen eine weitere Kontaktmöglichkeit an der Reihe: Wie schon einige Male, zuletzt vor fast drei Jahren, erwarten wir hier auf Einladung durch das Pfarramt von Donnerstag, 30.8., bis Montag, 3.9., sieben Gäste aus Saransk mit Pastor Michelis.

Trotz sprachlicher Verständigungsprobleme haben sich wieder frühere Saransk-Fahrer freundlicherweise als Quartiergeber angeboten.
Höhepunkt des Besuches ist nach Besichtigungen in Heroldsberg und Nürnberg der Saransk-Gottesdienst am Sonntag, 2. September.
Pastor Michelis und ich halten eine Dialogpredigt, und wir feiern das Abendmahl. Dazu und zum anschließenden Mittagessen und bunten Nachmittagsprogramm im Gemeindesaal laden wir jetzt schon Sie und alle interessierten Gemeindeglieder herzlich ein. Mit zahlreicher Teilnahme sollten wir unsere Verbundenheit mit unseren Gästen zeigen.
Aber schon vorher vom 22. bis 29. Mai sind Pastor Michelis und seine Frau bei uns in Rückersdorf zu einem privaten Erholungsbesuch. Für die Planung des Gruppenbesuches Ende August und die Vorbereitung des Saransk-Gottesdienstes haben wir dabei genügend Zeit und Ruhe.

Mit herzlichem Dank für alle Unterstützung der Partnerschaft durch Ihr Interesse, Ihre Gebete und Spenden grüßt Sie mit guten Wünschen für die Sommerzeit
Ihr Klaus Plorin

Neues aus der Partnergemeinde Saransk

In unserer Partnergemeinde Saransk herrscht zur Zeit klirrende Kälte, was bei den leicht gebauten Häusern und bei knappem Heizmaterial sehr beschwerlich für die Menschen und Tiere ist. Im Januar gab es große Probleme durch überschwemmungen in den Gärten und Feldern, und da kam zur winterlichen Dunkelheit auch noch Feuchtigkeit in die Häuser. Nun hoffen alle auf einen baldigen Frühling mit wieder mehr Licht und Wärme, dass die Gärten und Felder bestellt werden können, die für viele lebensnotwendig sind.

Besuch aus Saransk
In diesem Jahr planen wir Plorins keine Reise in die Partnergemeinde. Wir freuen uns aber auf den Besuch einer Gruppe aus Saransk im September. Viele dortige Gemeindeglieder würden sehr gerne einmal zu uns kommen; zu einem Wiedersehen mit früheren Saransk-Reisenden, zum Kennenlernen unserer Gemeinde, des Ortes Heroldsberg und natürlich auch von Nürnberg und Umgebung. Das war für unsere bisherigen Gäste immer ein großes Erlebnis. Doch für mehrere Tage beruflich oder familiär abkömmlich oder gesundheitlich zu einer solch weiten Reise fähig sind leider immer nur ganz wenige.
Noch laufen erste Planungen, wer mitkommt und wann die Reise genau stattfinden kann, und wir überlegen schon ein interessantes Programm für die wenigen Tage des Besuchs.
Am 2. oder 9. September (das genaue Datum wird noch verabredet) wollen wir dann auch den jährlichen Saransk-Gottesdienst feiern, den unsere Gäste mitgestalten können. Dazu und zum anschließenden Mittagessen und Nachmittagsprogramm im Gemeindesaal sind alle Interessierten schon jetzt ganz herzlich eingeladen.

D. Plorin

Weihnachtsgrüße aus Saransk

Nach dem Weihnachtsfest 2017 dankte Pastor Michelis telefonisch im Namen aller Familien unserer Partnergemeinde für unsere diesmal besonders gut gefüllten Weihnachtsbriefe, die er beim Weihnachtsgottesdienst am 25.12. an alle Familien verteilen konnte.
Den Dank gebe ich hiermit gerne weiter an Sie alle, die Sie mit Ihren Spenden diese finanzielle Hilfe wieder mal ermöglicht haben. Wochenlanger Dauerregen seit September hat nämlich dort auf den Feldern, Äckern und in den Gärten leider große Ernteausfälle angerichtet, was die Preise für Grundnahrungsmittel ansteigen ließ. Unsere nach Familiengröße gestaffelten Geldgeschenke waren deshalb diesmal noch mehr als sonst sehr willkommen und hilfreich.

Ich danke diesmal aber auch ausdrücklich dem Überbringer der Briefe, Herrn Pfarrer i.R. Thomas Passauer in Berlin, der seit Jahren immer nach dem 1. Advent in das russische Ostpreußen fährt und auch unsere Hilfe überbringt. Trotz einer plötzlichen Lungenentzündung machte er sich auch diesmal auf die lange Reise, weil ihn niemand ersetzen konnte und die Briefe und Päckchen sonst nicht die Weihnachtsfreude in mehreren Gemeinden unterstützt hätten.

Was gibt’s Neues von den Familien?
In Nachimowo hat die junge Frau Sina Koslowa, die wir im September noch hochschwanger antrafen, am 8. Oktober mit einem Kaiserschnitt ihren 3. Sohn Sergej gesund zur Welt gebracht. Die Freude ist groß. Allerdings musste ihr Mann Sergej Koslow während des Klinikaufenthaltes seiner Frau ein paar Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, um seine beiden älteren Söhnchen Alexej und Timotej sowie seinen Vater Valerij zu versorgen und diesen so schwer nierenkranken Mann dreimal wöchentlich zu der seit Jahren notwendigen Dialyse ins Gebietskrankenhaus nach Kaliningrad zu fahren. Pastor Michelis hat der Familie zu ihrem dritten Sohn gratuliert und den Verdienstausfall aus dem Notfallfond, den wir bei ihm eingerichtet haben, ausgeglichen und ein zusätzliches Geldgeschenk übergeben. Während Söhnchen Alexej tagsüber schon in der dörflichen Kita versorgt wird, fährt nun wieder, wie seit etwa einem Jahr, Sina ihren kranken Schwiegervater Valerij die 60 km nach Kaliningrad, muss dabei aber ihre beiden jüngsten Kinder, also auch den Säugling auf die Fahrt im Auto mitnehmen – welche Mühe für alle vier Beteiligten! Nur wenn Großvater Valerij hin und wieder ein paar Tage zu intensiverer Behandlung im Krankenhaus bleiben muss, ist ein normaler häuslicher Alltag möglich.

Die in dem kleinen früheren Forsthaus bei Sosnowka bei ihrem Sohn und Schwiegertochter wohnende russlanddeutsche Frau Nina Jankowski feierte am 11. Januar ihren 90. Geburtstag. Nur noch gestützt und mühsam kann sie aus ihrem Zimmer an den Tisch in der Wohnküche kommen. Doch, wie wir es im September wieder erlebten, ist ihr Kopf noch immer erstaunlich klar, sprach sie, obwohl ohne Übung, sauberes Hochdeutsch. Pastor Michelis und zwei ihr vertraute Frauen aus der Gemeinde besuchten sie und gratulierten ihr mit Blumen.

In Saransk feierte der begeisterte Sänger Anatolij Koslow am 14. Januar seinen 75. Geburtstag. Seine Frau Luba und Sohn Chenja mit seiner Familie konnten mitfeiern.

Pastor Wladimir Michelis wurde am 1. Dezember 71 Jahre alt. Weiterhin versorgt er als Prediger und Seelsorger mehrere Gemeinden. Seit Monaten muss er zusätzliche Aufgaben in weiteren Gemeinden übernehmen. Denn die Pastorin der Stadt Tschernjachowsk / Insterburg, wo er mit seiner Frau Natascha wohnt, ist mit der Großfamilie nach Deutschland emigriert. Ihre Privatwohnung hat sie verkauft. Eine Neubesetzung der Pastorenstelle ist erst möglich, wenn eine Wohnung gefunden ist; das kann lange dauern.
Wir wünschen Pastor Michelis viel Kraft zum Durchhalten.

Klaus Plorin

Partnergemeinde Saransk

Noch ein Rückblick

Was mich bei unseren Reisen nach Saransk immer wieder beeindruckt, sind die Großfamilien in unserer Partnergemeinde. Oft haben wir die Mädchen bedauert, die mit 18 Jahren längst verheiratet sind und Kinder aufziehen. Es gibt so wenig Möglichkeiten für die Jugendlichen zur Selbstverwirklichung. Selbst bei höherem Schulabschluss sind die Berufsmöglichkeiten und Arbeitsstellen sehr gering. Auch irgendwelche Freizeitbeschäftigungen oder jugendgemäße Veranstaltungen gibt es eigentlich nicht. So ist Partnerschaft und Heiraten einfach das normale Ziel der Jugendlichen. Meist wird erst geheiratet und Familie gegründet, dann noch eine Ausbildung gemacht. Die Kinder wachsen sehr oft bei den Großmüttern auf. Wenn die Großmutter, die Babuschka, aber noch berufstätig ist, dann sind die Kinder eben bei der Urgroßmutter. Die sind ja auch noch recht jung im Vergleich zu den Urgroßmüttern bei uns.
Drei Familien, die wir in diesem Sommer besucht haben, leben in vier bzw. fünf Generationen beisammen oder in der Nähe. Davon will ich kurz berichten.

Bei Familie Schmidt wohnen vier Generationen beisammen. Urgroßmutter Vera, sehr gehbehindert, aber noch nicht 70 Jahre alt, lebt mit Tochter Lena, deren Mann und Sohn Markus zusammen. Im Nebenhaus wohnt Lenas Tochter Alessja mit ihren drei Kindern im Alter zwischen 9 und einem Jahr. Die Kinder sind nach der Schule bzw. Kindergarten immer bei der Urgroßmutter.
Auch bei Familie Alijew treffen wir oft vier Generationen an, wenn den ganzen Sommer über die Urgroßmutter Emma aus Deutschland zu Besuch kommt. Sie hilft ihrer Tochter Walentina beim Ernten und Einwecken von Obst und Gemüse aus dem großen Garten. Walentina hat vierTöchter und acht Enkelkinder im Alter zwischen 21 und 2 Jahren. Bei ihr treffen wir immer mehrere Kinder an, die dort offenbar gerne die Ferien oder Wochenenden verbringen. Die Urgroßmutter Emma hat schon einen Urenkelsohn von 21 Jahren. Sie ist der gleiche Jahrgang wie ich, mein ältester Enkel ist aber erst 16 Jahre alt.
Aber in diesem Jahr haben wir auch noch Fotos von Ururgroßeltern gesehen, die mit ihrer ganzen großen Familie Geburtstag feierten. Da waren dann fünf Generationen beisammen. Die Großeltern von Swjeta Ivankina leben in Kaliningrad, sind gesund und rüstig. Die Eltern leben nicht weit von Familie Ivankin und die zwei großen Töchter Vika und Katja mit den ein und zwei Jahre alten Enkelkindern von Swjeta leben in Polessk, also auch in der Nähe ihrer Babuschka. Wir sahen da Fotos von der ganzen Großfamilie, also fünf Generationen, die festlich gekleidet gemeinsam fröhlich gefeiert haben.
Was ist es, dass dort die Familien oft auf engem Raum so gut miteinander leben können?
Vielleicht ist es der Respekt vor dem Alter? Oder ist es der gute Zusammenhalt in den Familien, weil das dort überlebensnot- wendig ist? Oder sind die Jungen einfach gewöhnt zu gehorchen?
Oft haben wir beobachtet, dass die Babuschka der Mittelpunkt der Familie ist, sie ist für alle da, sie hilft allen, sie bestimmt aber auch weitgehend alles und meist oder immer fügen sich alle.
Vieles ist dort einfach anders als bei uns, nicht besser oder schlechter, einfach anders.

Im November werden wieder unsere Weihnachtsbriefe an alle Familien fertig gemacht, mit ein paar besinnlichen Gedanken, ins Russische übersetzt mit einer hübschen Karte, einem kleinen Stern als Geschenk und für jede Familie etwas Geld bestückt. Diese Briefe nimmt dann wieder ein Berliner Pfarrer mit und übergibt sie persönlich Pastor Michelis.
Im Weihnachtsgottesdienst, der auch immer festlich gestaltet wird, werden unsere Grüße mit den Briefen dann an jede Familie übergeben. Nun danken wir Ihnen allen wieder sehr herzlich, dass Sie es mit Ideen, Taten, Gebeten und Spenden ermöglicht haben, die Familien, die immer noch sehr auf unsere Hilfe angewiesen sind, mit unseren Besuchen und finanziellen Hilfen zu unterstützen, und wünschen eine gesegnete Adventszeit und fröhliche Weihnachtsfeiertage.
Diemut Plorin

Partnerschaftsreise 2017

Wir waren in Saransk!
Berichte von der Partnerschaftsreise 2017

Wolodja
Wir wurden schon gewarnt, dass er einen schier erdrücken könnte bei der Begrüßung. Und dann waren wir da. Das Haus und seine Einrichtung sehr schlicht, wie bei all den anderen Familien, die wir besuchten, aber liebevoll gepflegt, was man nicht überall in dieser Weise fand. Der junge Mann im blauen Trainingsanzug mit drei weißen Streifen grüßt schon über den Gartenzaun. Eine so unverstellte Freude hat er im Gesicht. Und es stimmt, Wolodja umarmt uns alle mit Nachdruck – ja, Kraft hat er! Und er tut es mehrfach während unseres Besuchs, wann immer man in seiner Nähe ist und sein offenherziges Lächeln erwidert – was schwer fällt, es nicht zu tun. 34 Jahre alt ist er jetzt, wie Irina, seine Mutter sagt – ein 34-jähriges Kind. Wer Russisch spricht, kann seine kurzen, einfachen Sätze verstehen und ein wenig mit ihm plaudern. Aber am liebsten lässt er sich fest drücken. Und das kann jeder. Wir haben eine Auto-Zeitschrift mitgebracht, die Wolodja freudig entgegennimmt. Er liebt Autos. Und spielt mit Leidenschaft Fußball. Mit Stolz zeigt er uns sein Zimmer und ein großes Bündel Medaillen von Fußballturnieren, an denen er erfolgreich teilgenommen hat. Vor einigen Monaten wurde ein Non-Hodgkin-Lymphom bei ihm festgestellt. Den zurückliegenden Chemotherapie-Zyklus sieht man ihm inzwischen nicht mehr an. Ein nächster steht jetzt an, aber Irina berichtet, dass er große Angst vor dem Krankenhaus hätte. Wird man die Therapie bei ihm zu Ende führen? Wird der Krebs bei ihm geheilt werden können? Es gibt keine Behinderten-Einrichtung für
ihn. Er lebt – wie schon immer – zuhause bei der Mutter. Seine Behinderung rühre von einer Impfung her, sagt Irina. Unwahrscheinlich, mag man denken, mit dem medizinischen Verständnis, das wir haben, und glaubt eher, dass es eine genetische Ursache sein wird. Dass man die Diagnose hier in der russischen Provinz, fern von Moskau, nicht stellen kann, ist wohl das allerkleinste Problem. Es scheint vielmehr grundsätzlich wenig Platz für Behinderte im öffentlichen Leben, in der öffentlichen Wahrnehmung in Russland zu geben und kaum Unterstützung für die Betroffenen selbst und deren Familien, die allein die Last der Betreuung tragen. Zum Glück gibt es Irina, diese Sonne, mit ihrem Gottvertrauen. Wenn man sie erlebt hat, weiß man, wo die Herzlichkeit dieses liebenswerten jungen Mannes mit geistiger Behinderung herkommen muss. Und dann ist es eben doch der beste Platz für diesen Menschen hier in dem kleinen Haus in Drushnoje (zu deutscher Zeit: Rudlauken), Region Kaliningrad (ehemaliges Königsberg).
Martin Zenker & Karola Gerner

Lichtblicke
Liegt es an dem nasskalten Wetter, der matschigen Sumpflandschaft, der äusseren Armut der meist unverputzten Häuschen oder dem jegliche Erinnerung an deutsche Kultur ausgelöschten, sowjetischen Königsberg, das nur noch große Wiesen, ca. 70 Jahre alte Bäume und ungepflegte Parkwege statt der ehemals pulsierenden, (recht)winkligen Gassen und den Charme der Hanse ausstrahlenden 5-stöckigen Häuser besitzt (erinnerte mich an Mauersbergers Motette: „wie liegt die Stadt so wüst…?“) – Nur der Dom wurde wiederaufgebaut, schmucklos, aber mit einer wunderbaren, viermanualigen Orgel mit über 6000 Pfeifen, (der erste Lichtblick!)
Warum wirken selbst die außerordentlich herzlichen, liebenswerten und beredten Freunde aus der Saransker Gegend immer ein bisschen melancholisch?
Da waren das fröhliche Lachen von Vera und dem 34-jährigen „Kind“ Wolodja die ersten Lichtblicke neben dem feierlichen Kerzenschein beim Gottesdienst von Pastor Michelis.
Doch der größte Lichtblick kam am Ende der Reise, im z.T. schon wunderschön restaurierten Zelenogradsk, dem ehemaligen Cranz: Albinas Enkeltochter Vika (Viktoria), eine wunderschöne, große, schlanke russische Geschäftsfrau, die ausgezeichnet deutsch spricht und sich einen Tag für uns freigenommen hat, um uns das am weißen Sandstrand der Ostsee gelegene Seebad Cranz und die kurische Nehrung zu zeigen. Welche Lichtblicke!
In Cranz hat man sich der Anziehungskraft des historischen Stadtkerns, der schönen Parkanlagen und einer restaurierten 2,5 km langen Strand-Promenade erinnert und es zu überraschendem Wohlstand gebracht, der sich in reger Bautätigkeit auch mit historisierenden Neubauten ausdrückt.

Doch erst die Nehrung mit ihrem geschützten Nationalpark! Eine überwältigend schöne Landschaft, von Vika fachfrauisch erläutert, die hier auch hin und wieder Fremdenführungen
veranstaltet. Gekrönt wurde das ganze von einem Fischessen am Haffstrand von Rositten, wo wir in ahnbarer Sonne, uns draußen in Pullover und Kissen verpackt, bei köstlichem Bier oder Tee stärken konnten, um dann die Vogelwarte, Ephas hohe Düne und den Rückweg bewältigen zu können. Lichtblicke von nahezu Scheinwerfer-Charakter. Danke Vika!
Renate Geuer-Witt

Mein ganz kleiner Erlebnisbericht
Am liebsten würde ich über die besonderen Menschen, die im ländlichen Bereich leider festzustellende Armut und die einmalige Landschaft schreiben, doch letztlich habe ich mich anders entschieden. Denn mein Vater wurde am Rande vom deutschen Cranz geboren und wohnte bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht in Königsberg. Deshalb galt mein besonderer Augenmerk der Hauptstadt vom russischen Ostpreußen Königsberg, die jetzt Kaliningrad heißt.
Die Stadt wirkt auf mich sehr lebhaft, pulsierend fast hektisch. Obwohl permanent an der Verbesserung der Infrastruktur gearbeitet wird, ist sie dem stetig wachsenden Autoverkehr nicht gewachsen. Und dabei gibt es zurzeit emsige Anstrengungen, denn zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 soll nicht nur das neue Stadion, sondern auch die Stadt noch mehr glänzen. Obwohl die Altstadt bekanntlich im Krieg fast vollständig zerstört wurde, sorgt der inzwischen abgeschlossene Wiederaufbau des Doms nach dessen Besichtigung für einen ersten kleinen Lichtblick. In dem Zusammenhang wurde unter anderem auch für den Alleswissenschaftler Immanuel Kant ein würdiges Gedächtnis geschaffen. Bravo.
Sehr schön war auch die kleine Schifffahrt auf der Pregel, weil hierbei die Sicht auf vieles noch interessanter ist. So konnten wir mehr vom Alten und vom Neuen sehen. Von großen Schiffen im Hafen und ebenso von den vielen Kohlehalden. Kaliningrad könnte sicherlich zu einer Perle im russischen Ostpreußen werden, wenn nicht in Richtung zur Ostsee noch viele miltärische Einrichtungen wären. Leider.
Bernd Lindemann