Die Kirche St. Matthäus

Die Kirche
Über die ersten baulichen Anfänge ist nichts bekannt.
Von der schon vor 1007 gegründeten Pfarrei Neunkirchen am Sand wurde die ursprünglich dazugehörige Filiale Heroldsberg als Eigenpfarrei abgetrennt.
In einer Urkunde des Bistums Bamberg von 1477 wurde die Heroldsberger Kirche als Pfarrkirche „St. Margaretha“ erwähnt. Ihren heutigen Namen, St. Matthäus, erhielt die Kirche nach der Reformation im Jahre 1525.
Ursprüglich war es eine Kirchenburganlage mit Wehrgängen, Vorratskellern und Unterkunftsräumen sowie Wachtürmen. Leider ist heute nicht mehr viel von der einst mächtigen Anlage erkennbar – lediglich die Stützmauern.
Die Kirche erzählt in ihrem derzeitigen Zustand von 3 Bauabschnitten, die wir Ihnen gerne vorstellen wollen.

Der Turm
Der Turm unserer Kirche ist das älteste erhaltene Bauteil. Er wurde im 12.-13. Jh. errichtet. Die heutige Form des Turmhelmes und der vier Scharwachtürme entstand anlässlich einer Erneuerung im Jahre 1435 und weist den Turm als früheren Wachtturm aus.
Im Erdgeschoss des Turmes befand sich seit frühgotischer Zeit der Altarraum der früheren Kirche.
Sie bemerken, dass der Altar also nach Westen ausgerichtet war. Das weist auf das historische Alter der Kirche hin, als die Ausrichtung der Kirchen nach Osten noch nicht kirchenrechtlich vorgeschrieben war.
Die Deckenmalereien zeigen die Symbole der vier Evangelisten: Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler). Die Fresken an den Wänden sind nur fragmentarisch erhalten.
Lediglich an der Nordseite ist eine Weihnachtsszene erkennbar. Die Malereien stammen aus der Zeit nach 1380.

Chorraum
Der Chor wurde um 1440 errichtet.
Die Altarweihe ist im Jahre 1444 belegt.
Die Kirche wurde nun nach Osten ausgerichtet. An den Grabplatten und anderen Gedenktafeln wird deutlich, dass die Kirche von diesem Zeitpunkt an auch als Grablege der Nürnberger Patrizierfamilie Geuder diente.

Altar
Die Teile des Flügelaltars sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden.
Im Schrein (Mittelteil) befindet sich seit 1821 ein spätgotischer Kruzifixus von Tilman Riemenschneider (um 1460-1531). Eine Stiftung des Heroldsberger Pfarrers Christoph G. Schmidt (1813-1833). Die sehr detailreiche Schnitzerei und die stark naturalistische Ausarbeitung des Körpers mit kleinsten Muskeln und Fältchen bei insgesamt nobler Erscheinung, lassen den Heroldsberger Kruzifixus zu den Frühwerken des Meisters zählen. Die Arbeit stammt vermutlich aus den Jahren 1485-1492. Die originale Bemalung wurde stark zerstört.
Die derzeitige Fassung stammt aus dem Jahr 1907. Der Kruzifixus ist ein Einzelteil eines ursprünglich kompletten Altares aus der Rothenburger Franziskaner-Kirche.
Am Altar sind zugleich die einzigen, künstlerisch wertvollen Bilder zu sehen, welche die Kirche überhaupt besitzt. Ins Auge fallen die beiden vorderseitig (in Öl auf Holz) bemalten Altarflügel, die auch rückseitig (Öl auf Leinwand) bemalt sind. Die beiden Bilder der Vorderseite werden dem in Nürnberg tätigen Maler Paul Juvenell d. Ä. zugeschrieben (geb. 1579 Nürnberg). Die Bilder der Rückseite stammen von einem unbekannten Künstler, möglicherweise einer niederländischen Malschule.
Die Vorderseite des linken Altarflügels zeigt eine Darstellung des ersten Menschenpaares „Adam und Eva im Paradies“ (Sündenfall); die Rückseite den Gebetskampf Jesu in Gethsemane. Die Vorderseite des rechten Altarflügels zeigt im Vordergrund das Volk Israel, das von Gott abgefallen ist.
Mose zeigt mit seinem Stab auf die rettende Schlange. Im Hintergrund erkennt man den Bußprediger Johannes d. Täufer und die Taufe Jesu.
Die Rückseite zeigt das letzte Abendmahl Jesu.
Der Altar ruht auf einer gotischen Predella, die auf der Vorderseite ehemals alle 12 Apostel mit ihren Attributen zeigte. Auf der Rückseite ist das Schweißtuch der Hl. Veronika zu sehen.

Das Kirchenschiff
Das Schiff der Kirche hat seine jetzige Form erst bei der großen Baumaßnahme von 1820/21 erhalten. Das Dach wurde angehoben und eine zweite Empore eingebaut. Die Emporenbrüstung wurde 1977 nach der Originalbemalung von 1821 wieder in ihrem klassizistisch-biedermeierlichen Dekor hergestellt.
Die Barockkanzel stammt aus dem Jahre 1717 und zeigt in den Feldern des Korbes die vier Evangelisten und auf dem Schalldeckel Christus als Weltenheiland.
Der eisenbeschlagene Opferstock unterhalb der Kanzel stammt noch aus der Gotik, wurde aber mit einem barocken „Mantel“ umgeben (1678).
Das Wandgemälde über dem Triumphbogen wurde 1821 angebracht.


Die Orgel
Die bestehende Orgel hat bereits 4 Vorgängerinnen.
Das Hauptwerk und Brustwerk wurden in den alten Biedermeierprospekt aus dem Jahre 1822 eingebaut. Walther Haffner erstellte den Plan und die neue Disposition. Orgelbaumeister E. Simon aus Landshut-Ergolding wurde 1977/78 mit dem Bau beauftragt. Am 3. Advent 1978 wurde die Orgel eingeweiht.

Zum Schluss
Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche durch amerikanischen Beschuss am Turm beschädigt. Die größten Schäden konnten bereits 1946-47 beseitigt werden. Die vollständige Behebung der Kriegsschäden erfolgte durch die Renovierung im Jahre 1956.
So wie jedes Haus ist auch unsere Kirche ein lebendiger Organismus. Im Wechsel der Jahreszeiten und des Kirchenjahres ist sie starken Beanspruchungen ausgesetzt. Die Erhaltung eines solches Hauses verschlingt sehr viel Geld. Die nächsten Reparaturen und Renovierungen stehen bereits an.
Wir würden uns freuen, wenn Sie uns dabei finanziell unterstützen!
Die Menschen, die hier Gottesdienste feiern, Trost und Ermutigung erfahren, aber auch Freude und Lebendigkeit, werden es Ihnen danken.
Sollten Sie an einer Kirchenführung interessiert sein, melden Sie sich bitte im Pfarramt
Tel. 0911/5180659.

Herzliche Grüße und Gott befohlen!
Ihr Klaus Firnschild-Steuer; Pfarrer