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Partnergemeinde Saransk

Noch ein Rückblick

Was mich bei unseren Reisen nach Saransk immer wieder beeindruckt, sind die Großfamilien in unserer Partnergemeinde. Oft haben wir die Mädchen bedauert, die mit 18 Jahren längst verheiratet sind und Kinder aufziehen. Es gibt so wenig Möglichkeiten für die Jugendlichen zur Selbstverwirklichung. Selbst bei höherem Schulabschluss sind die Berufsmöglichkeiten und Arbeitsstellen sehr gering. Auch irgendwelche Freizeitbeschäftigungen oder jugendgemäße Veranstaltungen gibt es eigentlich nicht. So ist Partnerschaft und Heiraten einfach das normale Ziel der Jugendlichen. Meist wird erst geheiratet und Familie gegründet, dann noch eine Ausbildung gemacht. Die Kinder wachsen sehr oft bei den Großmüttern auf. Wenn die Großmutter, die Babuschka, aber noch berufstätig ist, dann sind die Kinder eben bei der Urgroßmutter. Die sind ja auch noch recht jung im Vergleich zu den Urgroßmüttern bei uns.
Drei Familien, die wir in diesem Sommer besucht haben, leben in vier bzw. fünf Generationen beisammen oder in der Nähe. Davon will ich kurz berichten.

Bei Familie Schmidt wohnen vier Generationen beisammen. Urgroßmutter Vera, sehr gehbehindert, aber noch nicht 70 Jahre alt, lebt mit Tochter Lena, deren Mann und Sohn Markus zusammen. Im Nebenhaus wohnt Lenas Tochter Alessja mit ihren drei Kindern im Alter zwischen 9 und einem Jahr. Die Kinder sind nach der Schule bzw. Kindergarten immer bei der Urgroßmutter.
Auch bei Familie Alijew treffen wir oft vier Generationen an, wenn den ganzen Sommer über die Urgroßmutter Emma aus Deutschland zu Besuch kommt. Sie hilft ihrer Tochter Walentina beim Ernten und Einwecken von Obst und Gemüse aus dem großen Garten. Walentina hat vierTöchter und acht Enkelkinder im Alter zwischen 21 und 2 Jahren. Bei ihr treffen wir immer mehrere Kinder an, die dort offenbar gerne die Ferien oder Wochenenden verbringen. Die Urgroßmutter Emma hat schon einen Urenkelsohn von 21 Jahren. Sie ist der gleiche Jahrgang wie ich, mein ältester Enkel ist aber erst 16 Jahre alt.
Aber in diesem Jahr haben wir auch noch Fotos von Ururgroßeltern gesehen, die mit ihrer ganzen großen Familie Geburtstag feierten. Da waren dann fünf Generationen beisammen. Die Großeltern von Swjeta Ivankina leben in Kaliningrad, sind gesund und rüstig. Die Eltern leben nicht weit von Familie Ivankin und die zwei großen Töchter Vika und Katja mit den ein und zwei Jahre alten Enkelkindern von Swjeta leben in Polessk, also auch in der Nähe ihrer Babuschka. Wir sahen da Fotos von der ganzen Großfamilie, also fünf Generationen, die festlich gekleidet gemeinsam fröhlich gefeiert haben.
Was ist es, dass dort die Familien oft auf engem Raum so gut miteinander leben können?
Vielleicht ist es der Respekt vor dem Alter? Oder ist es der gute Zusammenhalt in den Familien, weil das dort überlebensnot- wendig ist? Oder sind die Jungen einfach gewöhnt zu gehorchen?
Oft haben wir beobachtet, dass die Babuschka der Mittelpunkt der Familie ist, sie ist für alle da, sie hilft allen, sie bestimmt aber auch weitgehend alles und meist oder immer fügen sich alle.
Vieles ist dort einfach anders als bei uns, nicht besser oder schlechter, einfach anders.

Im November werden wieder unsere Weihnachtsbriefe an alle Familien fertig gemacht, mit ein paar besinnlichen Gedanken, ins Russische übersetzt mit einer hübschen Karte, einem kleinen Stern als Geschenk und für jede Familie etwas Geld bestückt. Diese Briefe nimmt dann wieder ein Berliner Pfarrer mit und übergibt sie persönlich Pastor Michelis.
Im Weihnachtsgottesdienst, der auch immer festlich gestaltet wird, werden unsere Grüße mit den Briefen dann an jede Familie übergeben. Nun danken wir Ihnen allen wieder sehr herzlich, dass Sie es mit Ideen, Taten, Gebeten und Spenden ermöglicht haben, die Familien, die immer noch sehr auf unsere Hilfe angewiesen sind, mit unseren Besuchen und finanziellen Hilfen zu unterstützen, und wünschen eine gesegnete Adventszeit und fröhliche Weihnachtsfeiertage.
Diemut Plorin

Partnerschaftsreise 2017

Wir waren in Saransk!
Berichte von der Partnerschaftsreise 2017

Wolodja
Wir wurden schon gewarnt, dass er einen schier erdrücken könnte bei der Begrüßung. Und dann waren wir da. Das Haus und seine Einrichtung sehr schlicht, wie bei all den anderen Familien, die wir besuchten, aber liebevoll gepflegt, was man nicht überall in dieser Weise fand. Der junge Mann im blauen Trainingsanzug mit drei weißen Streifen grüßt schon über den Gartenzaun. Eine so unverstellte Freude hat er im Gesicht. Und es stimmt, Wolodja umarmt uns alle mit Nachdruck – ja, Kraft hat er! Und er tut es mehrfach während unseres Besuchs, wann immer man in seiner Nähe ist und sein offenherziges Lächeln erwidert – was schwer fällt, es nicht zu tun. 34 Jahre alt ist er jetzt, wie Irina, seine Mutter sagt – ein 34-jähriges Kind. Wer Russisch spricht, kann seine kurzen, einfachen Sätze verstehen und ein wenig mit ihm plaudern. Aber am liebsten lässt er sich fest drücken. Und das kann jeder. Wir haben eine Auto-Zeitschrift mitgebracht, die Wolodja freudig entgegennimmt. Er liebt Autos. Und spielt mit Leidenschaft Fußball. Mit Stolz zeigt er uns sein Zimmer und ein großes Bündel Medaillen von Fußballturnieren, an denen er erfolgreich teilgenommen hat. Vor einigen Monaten wurde ein Non-Hodgkin-Lymphom bei ihm festgestellt. Den zurückliegenden Chemotherapie-Zyklus sieht man ihm inzwischen nicht mehr an. Ein nächster steht jetzt an, aber Irina berichtet, dass er große Angst vor dem Krankenhaus hätte. Wird man die Therapie bei ihm zu Ende führen? Wird der Krebs bei ihm geheilt werden können? Es gibt keine Behinderten-Einrichtung für
ihn. Er lebt – wie schon immer – zuhause bei der Mutter. Seine Behinderung rühre von einer Impfung her, sagt Irina. Unwahrscheinlich, mag man denken, mit dem medizinischen Verständnis, das wir haben, und glaubt eher, dass es eine genetische Ursache sein wird. Dass man die Diagnose hier in der russischen Provinz, fern von Moskau, nicht stellen kann, ist wohl das allerkleinste Problem. Es scheint vielmehr grundsätzlich wenig Platz für Behinderte im öffentlichen Leben, in der öffentlichen Wahrnehmung in Russland zu geben und kaum Unterstützung für die Betroffenen selbst und deren Familien, die allein die Last der Betreuung tragen. Zum Glück gibt es Irina, diese Sonne, mit ihrem Gottvertrauen. Wenn man sie erlebt hat, weiß man, wo die Herzlichkeit dieses liebenswerten jungen Mannes mit geistiger Behinderung herkommen muss. Und dann ist es eben doch der beste Platz für diesen Menschen hier in dem kleinen Haus in Drushnoje (zu deutscher Zeit: Rudlauken), Region Kaliningrad (ehemaliges Königsberg).
Martin Zenker & Karola Gerner

Lichtblicke
Liegt es an dem nasskalten Wetter, der matschigen Sumpflandschaft, der äusseren Armut der meist unverputzten Häuschen oder dem jegliche Erinnerung an deutsche Kultur ausgelöschten, sowjetischen Königsberg, das nur noch große Wiesen, ca. 70 Jahre alte Bäume und ungepflegte Parkwege statt der ehemals pulsierenden, (recht)winkligen Gassen und den Charme der Hanse ausstrahlenden 5-stöckigen Häuser besitzt (erinnerte mich an Mauersbergers Motette: „wie liegt die Stadt so wüst…?“) – Nur der Dom wurde wiederaufgebaut, schmucklos, aber mit einer wunderbaren, viermanualigen Orgel mit über 6000 Pfeifen, (der erste Lichtblick!)
Warum wirken selbst die außerordentlich herzlichen, liebenswerten und beredten Freunde aus der Saransker Gegend immer ein bisschen melancholisch?
Da waren das fröhliche Lachen von Vera und dem 34-jährigen „Kind“ Wolodja die ersten Lichtblicke neben dem feierlichen Kerzenschein beim Gottesdienst von Pastor Michelis.
Doch der größte Lichtblick kam am Ende der Reise, im z.T. schon wunderschön restaurierten Zelenogradsk, dem ehemaligen Cranz: Albinas Enkeltochter Vika (Viktoria), eine wunderschöne, große, schlanke russische Geschäftsfrau, die ausgezeichnet deutsch spricht und sich einen Tag für uns freigenommen hat, um uns das am weißen Sandstrand der Ostsee gelegene Seebad Cranz und die kurische Nehrung zu zeigen. Welche Lichtblicke!
In Cranz hat man sich der Anziehungskraft des historischen Stadtkerns, der schönen Parkanlagen und einer restaurierten 2,5 km langen Strand-Promenade erinnert und es zu überraschendem Wohlstand gebracht, der sich in reger Bautätigkeit auch mit historisierenden Neubauten ausdrückt.

Doch erst die Nehrung mit ihrem geschützten Nationalpark! Eine überwältigend schöne Landschaft, von Vika fachfrauisch erläutert, die hier auch hin und wieder Fremdenführungen
veranstaltet. Gekrönt wurde das ganze von einem Fischessen am Haffstrand von Rositten, wo wir in ahnbarer Sonne, uns draußen in Pullover und Kissen verpackt, bei köstlichem Bier oder Tee stärken konnten, um dann die Vogelwarte, Ephas hohe Düne und den Rückweg bewältigen zu können. Lichtblicke von nahezu Scheinwerfer-Charakter. Danke Vika!
Renate Geuer-Witt

Mein ganz kleiner Erlebnisbericht
Am liebsten würde ich über die besonderen Menschen, die im ländlichen Bereich leider festzustellende Armut und die einmalige Landschaft schreiben, doch letztlich habe ich mich anders entschieden. Denn mein Vater wurde am Rande vom deutschen Cranz geboren und wohnte bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht in Königsberg. Deshalb galt mein besonderer Augenmerk der Hauptstadt vom russischen Ostpreußen Königsberg, die jetzt Kaliningrad heißt.
Die Stadt wirkt auf mich sehr lebhaft, pulsierend fast hektisch. Obwohl permanent an der Verbesserung der Infrastruktur gearbeitet wird, ist sie dem stetig wachsenden Autoverkehr nicht gewachsen. Und dabei gibt es zurzeit emsige Anstrengungen, denn zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 soll nicht nur das neue Stadion, sondern auch die Stadt noch mehr glänzen. Obwohl die Altstadt bekanntlich im Krieg fast vollständig zerstört wurde, sorgt der inzwischen abgeschlossene Wiederaufbau des Doms nach dessen Besichtigung für einen ersten kleinen Lichtblick. In dem Zusammenhang wurde unter anderem auch für den Alleswissenschaftler Immanuel Kant ein würdiges Gedächtnis geschaffen. Bravo.
Sehr schön war auch die kleine Schifffahrt auf der Pregel, weil hierbei die Sicht auf vieles noch interessanter ist. So konnten wir mehr vom Alten und vom Neuen sehen. Von großen Schiffen im Hafen und ebenso von den vielen Kohlehalden. Kaliningrad könnte sicherlich zu einer Perle im russischen Ostpreußen werden, wenn nicht in Richtung zur Ostsee noch viele miltärische Einrichtungen wären. Leider.
Bernd Lindemann

Neues aus unserer Partnergemeinde Saransk

„Kalte Heimat“
Während wir hier in Franken seit Mitte Mai zumeist ein warmes, ja heißes Wetter hatten und schon im Juni Obst und Gemüse ernten konnten, blieb es im russischen Kaliningrad-Gebiet, also auch in den Dörfern unserer Partnergemeinde Saransk mit nur bis zu höchstens 15° Celsius Tagestemperatur leider viel zu kühl. Offenbar strahlte das nahe kalte Ostseewasser noch zu sehr auf das Land aus. Auch noch bei meinem heutigen (5. Juli) Telefonat mit Pastor Michelis warteten dort alle auf die für ein normales Wachstum notwendige Sommerwärme. Ganz besonders Rentner sind mit ihren geringen Renten sehr auf die Obst- und Gemüseernte im eigenen Garten angewiesen. Sie müssen ja im Sommer für den dort langen Winter genug einwecken. Die bisherige Verzögerung des Wachstums ist aber im Rest des Sommers kaum noch aufzuholen. Und wegen der zu befürchtenden geringeren Ernte auf Äckern und Feldern wird es voraussichtlich wieder einmal leider zur Verteuerung von Lebensmitteln kommen.

Treue Gemeinde, zeitweises Fehlen
Wie nun schon seit ein paar Jahren kommen die Treuen der Gemeinde Saransk vierzehntägig am Montagnachmittag in der Wohnküche von Vera Frisen in Sosnovka zum Gottesdienst und anschließenden gemeinsamen Essen und Austausch von Neuigkeiten zusammen. Das ist dort wegen der weit auseinander wohnenden Gemeindeglieder die einzige mögliche gemeinsame Veranstaltung. Freud und Leid, Sorgen und erfreuliche familiäre Nachrichten werden dabei vertrauensvoll ausgetauscht. Wie z.B. die gerade gefeierte Hochzeit von Vera Frisens Sohn Alexander, der vor Jahren mit der Mutter gemeinsam das Haus gebaut hat. Inzwischen haben Veras Verwandte aus Deutschland das Haus innen und außen weiter gut ausgebaut, und es kann sich jetzt wirklich sehen lassen.
Seit einiger Zeit kommen auch zwei Männer zu den Gottesdiensten. Aus dem Dorf Nachimowo begleitet Wladimir Alijew seine Frau Valentina, und aus Saransk Anatolij Koslow seine Frau Ljuba. Koslows fehlten aber in den letzten Wochen wegen Ljubas Herzoperation.
Ljuba Swinarenko aus Bogatowo lag wegen schwerer Diabetes wieder im Krankenhaus der Kreisstadt Polessk. Die gehbehinderte Vera Schmitt aus Nachimowo ist im Juli und August bei einer Tochter in Deutschland zu Besuch. Auch fehlt seit einigen Wochen Frau Jankowski, die Älteste der Gemeinde, wegen ihrer zunehmenden Altersschwäche. Wir wollen sie Anfang September bei ihrem Sohn und Schwiegertochter wieder besuchen.

Zu siebt in Saransk
Mit unserer diesmal sechsköpfigen Delegation wohnt auch Pastor Michelis ab 3. September für ein paar Tage im Hotel „Dom lesnika“, dem früheren deutschen Forsthaus in Sosnovka. Er wird als zuständiger Pastor und guter Dolmetscher wie im Vorjahr mit uns Gottesdienst feiern und uns bei unseren Hausbesuchen in den Familien begleiten. Das Hauptgebäude des Hotels wurde bei unserem Aufenthalt im Vorjahr noch renoviert. Nun sind wir dort als Gruppe sehr willkommene Gäste. Nachdem wir im Vorjahr nur zu zweit dort waren, haben sich heuer zwei Paare zum Saransk-Besuch angemeldet: Frau Dr. Geuer-Witt / Heroldsberg mit ihrem Partner Bernd Lindemann und unser Neffe Dr. Martin Zenker mit seiner Partnerin Karola Gerner, die noch in der DDR aufwuchs und sogar gut Russisch spricht. Das wird bei unseren Besuchen hilfreich sein. Meine Predigt darf ich wegen der neuen russischen Antiterrorgesetze nicht selbst halten, Pastor Michelis wird sie an meiner Stelle auf Russisch übernehmen; die 5 Deutschen bekommen sie schriftlich von mir.
Mit unseren „Neulingen“ werden wir auch einen Tag lang in Kaliningrad / Königsberg sein. Ein Gespräch mit dem russischen Propst Igor Ronge ist schon verabredet. Die Stadt verschönt ihr Aussehen seit Monaten, um 2018 auf Besucher, die zur Fußballweltmeisterschaft kommen, einen guten Eindruck zu machen.
Von der Reise werden wir im Saransk- gottesdienst am 15. Oktober mit Worten und Bildern berichten. Herzliche Einladung dazu!
Klaus Plorin

Neues aus Saransk

Ost-West- und West-Ost-Reisen

Wenn im Frühjahr mit den längeren Tagen und dem Frühlingswetter die Reiselust wächst, wird es Zeit, unsere Fahrten, Reisen und Urlaub(e) für das laufende Jahr zu planen. Bei meinem letzten Telefongespräch mit Pastor Michelis vor dem Redaktionsschluss des einBlick sprachen auch wir über unsere Reisepläne zwischen Ost und West.

Ein Überraschungsgast
Auf die weite Reise von Dresden, wo sie mit fünf ihrer sieben Kinder seit vorletztem Jahr wohnt, ins russische Kaliningrad-Gebiet hatte sich Frau Valentina Ernst, ein früheres treues Gemeindeglied in Saransk, Ende Februar begeben. Sie besuchte mal wieder ihren Mann, der immer noch in ihrem gemeinsam gebauten Haus in Kransj Jar wohnt, 30 km weit von Sosnovka entfernt. Am 20. Februar war sie in Sosnovka überraschend Gast beim Gottesdienst mit Pastor Michelis im Haus von Vera Frisen, als diese zufälllig gleichzeitig Geburtstag hatte. Nach dem Gottesdienst und der anschließenden Geburtstagsfeier erzählte Frau Ernst, wie es ihren sieben Kindern geht. Die beiden ältesten Töchter studieren noch in Hamburg. Vier ihrer Kinder leben bei ihr in Dresden, darunter die drei von ihr adoptierten Pflegekinder; alle sind Schüler. Ihr schwerstbehinderter Sohn Damir (auch Heroldsberger Spenden ermöglichten anfangs eine erste Operation in Moskau), inzwischen 10 Jahre alt, wird fachlich gut gefördert und betreut, besucht eine Sonderschule. Weil er erst in Deutschland richtig behandelt werden konnte, kamen aber manche Therapien für ihn leider zu spät.
In den Sommerferien möchte Frau Ernst mit allen ihren Kindern in Krasni Jar beim Mann und Vater im eigenen Haus Urlaub machen.

Pastor Michelis‘ Reisepläne
Weil er ja dienstlich öfter nach Deutschland reisen muss, hat Pastor Michelis nach dem Ablauf seines bisherigen Visums für Deutschland wieder ein Dauervisum beantragt. Im April will er die Vertreter einiger Gemeinden der Propstei Kaliningrad als Reiseleiter und Dolmetscher in ihre Partnergemeinden in Berlin und Wismar begleiten. Im Mai reist er mit den gleichen Aufgaben mit acht Personen aus vier Gemeinden als Propstei-Delegation zum Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Berlin und Wittenberg. Meine Frau und ich wollen ihn in Berlin auf dem „Markt der Möglichkeiten“ des DEKT am Infostand der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen, den wir mit betreuen, treffen.
Sehr dankbar und erfreut ist er über einen 14-tägigen Erholungsurlaub in der zweiten Augustwoche in einem Heim bei Leipzig, den die Leitung der Evang.- Luth. Kirche im Europäischen Russland (ELKER) ihm und seiner Familie bezahlt. Der Erzbischof in Moskau, Dietrich Brauer, und seine Frau waren mehrere Jahr lang als Pastoren in Gussew / Gumbinnen tätig, also Nachbarkollegen von Pastor Michelis. Sie kennen und schätzen ihn seitdem sehr. Auch im Alter von 70 Jahren ist Pastor Michelis noch immer ein ganz wichtiger Mitarbeiter im Bereich der Propstei Kaliningrad, nicht nur für unsere Partnergemeinde Saransk, sondern auch im kleinen Konvent, der nur zwei Pastorinnen, zwei Pastoren und eines Predigers.

Einladung zur Saransk-Fahrt 2017
Nicht nur meine Frau und ich, sondern auch Pastor Michelis und die Familien und Menschen in unserer Partnergemeinde würden sich sehr freuen, wenn an unserer einwöchigen Reise, voraussichtlich
ab Samstag, 9. September, auch Andere mit ihrem PKW teilnehmen würden. Nach unserer ersten übernachtung in Marienburg besichtigen wir dort die größte und schönste Backsteinburg, die vom Deutschen Orden im 14. Jahrhundert erbaut wurde und von der UNESCO zum Weltkulturerbe gezählt wird. Dann wohnen wir ein paar Tage im guten, preisgünstigen Hotel „Forsthaus“ in Sosnovka. Pastor Michelis wird uns wieder bei Besuchen in den Familien begleiten. Auch das inzwischen Sehenswerte in Kaliningrad / Königsberg und an der Ostseeküste besuchen wir. Alle Fragen zu dieser Reise klären wir gerne im Gespräch, das Sie mit uns, möglichst bis im Mai, verabreden können.
Telefon 0911 / 57 00 509
Klaus Plorin

Partnergemeinde Saransk

Not lindern – Erfolgreicher Verkauf
Wie schon seit mehreren Jahren hatte Herr Otto Schubert in Oberschöllenbach auch heuer wieder seine beliebten Holzsterne verschiedener Größe hergestellt und uns zum Verkauf zu Gunsten unserer Partnergemeinde Saransk im russischen Teil des früheren Ostpreußen geschenkt. Ebenso tat es unser Schwager Christian Zenker in Ermreuth mit seinen schön gedrehten Holzschalen, kleinen Dosen und Kerzenständern.
Vor und nach der Adventsmusik am 4.12. und dem Singgottesdienst am 4. Advent konnten Maria Bosch, Anna Bub und Die- mute Plorin im Turmraum unserer Kirche fast alles Angebotene verkaufen und den erfreulichen Gewinn von 878,- € verzeichnen und an das Saransk-Spendenkonto geben.
Wir danken sehr herzlich den beiden Holzkünstlern für ihre schönen Arbeiten, den Verkäuferinnen für ihre treuen Dienste und allen Käufern der angebotenen Holzprodukte. Ebenso herzlich danken wir allen, die im Laufe des Jahres 2016 zur Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen in unserer Partnergemeinde Geld gespendet oder Fürbitte getan haben.

Mit Ihrer Hilfe konnten wir bei unseren Saransk-Besuchen im September mehrere chronisch kranke Gemeindeglieder gezielt unterstützen. In unseren Weihnachtsbriefen konnten wir wieder allen Fa- milien, nach Mitgliedern gestaffelt, eine kleine finanzielle Hilfe und ein sichtbares Zeichen unserer geschwisterlichen Verbundenheit geben. Auch ein Schmuckstern, Fotos von unseren Besuchen und meine von Frau Natascha Bosch ins Russische übersetzte Andacht füllten die Briefe, die Pfr. Passauer aus Berlin rechtzeitig zu Pastor Michelis brachte. Dieser verteilte sie beim Weih- nachtsgottesdienst am 26.12. in Sosnovka zur großen Freude aller.

Dank aus Saransk
Im Namen der Gemeinde Saransk dankte Pastor Michelis per E-Mail allen Unterstützern der Partnerschaft in Heroldsberg und darüber hinaus für diese liebevolle Weihnachtsgabe. Und er schrieb: „Ich predigte an diesem Festtag über Johannes 3,16-21 (>Also hat Gott die Welt geliebt …<). Diese Liebe offenbarte sich in dem Kind von Bethlehem. Und diese Liebe verbindet uns alle. Hätte es dieses Wunder nicht gegeben, wie finster wäre es in der Welt, wir hätten keinen Retter. Und, nebenbei, wir hätten uns nie kennen gelernt. Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2017 und eine weitere segensreiche Verbundenheit zur Freude und zum Wohle unserer beiden Gemeinden.“ Harter Winter
Telefonisch meldete Pastor Michelis: Eine lange Frostperiode mit Temperaturen bis unter –20° C und mit viel Schnee machte seit dem Jahreswechsel den Menschen im Osten Europas sehr zu schaffen. Einige weit abseits der Hauptstraßen wohnende Gemeindeglieder, deren Zufahrtswege nicht geräumt werden, konnten ihre Häuser eine Zeit lang kaum verlassen, mussten Wintervorräte verbrauchen. Pastor Michelis hatte einige Probleme bei seinen weiten Fahrten auf manchen schlecht geräumten Straßen, um seine Gemeinden pünktlich zu erreichen.
– Wir bangen im Winter immer um ihn in seinem alten Auto.

Einladung zur Saransk-Fahrt 2017
Meine Frau und ich würden uns sehr freuen, wenn an unserer einwöchigen Saransk-Reise Mitte September auch andere Heroldsberger teilnehmen würden, die an den dortigen Menschen und Verhältnissen interessiert sind. Mit dem Besuch der Marienburg und dem wieder sehenswerten Königsberg / Kaliningrad steht auch Kulturelles auf dem Programm. Auch die Ostseeküste mit ihren Bädern und der Kurischen Nehrung ist ein lohnendes Ziel. Alle Fragen zu dieser Reise klären wir gerne im persönlichen Gespräch, das Sie mit uns verabreden können.(Tel. 0911 – 57 00 509).
Klaus Plorin

Neues aus der Partnergemeinde Saransk

Zwei wichtige Personen
unserer Gemeindepartnerschaft

Nachruf auf Albina Beljaewa
Am 12.4.1932 im nordrussischen Archangelsk geboren, musste Albina schon als Kind mehrere jüngere Geschwister betreuen, weil ihre Mutter nach einem Unfall nur noch zwei Finger hatte. Kriegs- und Nachkriegsjahre waren hart.
Sie durfte aber seit 1950 in Moskau Germanistik studieren, wurde Lehrerin, heiratete den Marineoffizier Viktor Beljaew, zog mit ihm nach Wladiwostok am Pazifik und arbeitete dort, wie auch später in Kaliningrad je 17 Jahre als Deutschlehrerin für Marineoffiziere und wurde Mutter eines Sohnes. Nach ihrer Pensionierung arbeitete sie als Dorfschullehrerin und in ihrem Garten.
Die Öffnung des Kaliningrader Gebiets für Touristen 1991 bot ihr neue Möglichkeiten. So lernten wir sie als Reiseführerin kennen, freundeten uns mit ihr an und trafen sie jährlich wieder, 1994 auch mit unserer Gruppe, als sie uns durch das Museum auf der Kurischen Nehrung führte. Bei der Städtepartnerschaft ihres Wohnortes Selenogradsk mit Pinneberg begleitete sie als Dolmetscherin mehrmals Sportlergruppen und Delegationen zu Hamburgs Nachbarstadt.
Vor unserer ersten Gruppenreise 1996 in die Partnergemeinde Saransk luden wir sie ein, unsere Dolmetscherin zu sein. Vor dem ersten Taufgottesdienst im Forsthausgarten und auch vor den späteren schrieb sie fleißig und schön die russischen Urkunden, auch ihre eigene, und ließ sich von mir taufen. Sie wurde Mitglied der evang.-luth. Gemeinde ihres Wohnortes Zelenogradsk. Seitdem dolmetschte sie einfühlsam in fast jedem Jahr bei unseren Besuchen und Gottesdiensten in unserer Partnergemeinde Saransk und genoss bald das Vertrauen der dortigen Gemeindeglieder. Wir alten und jungen Heroldsberger erfreuten uns nicht nur an ihren hilfreichen Diensten, sondern auch an ihrem Humor, ihrer Sangesfreude und den Erzählungen aus ihrem bewegten Leben. Zwei Mal war sie bei uns zu Besuch, lernte so auch Heroldsberg kennen. Telefonisch waren wir regelmäßig in Kontakt.
Leider verschlimmerten sich in diesem Jahr ihre Herzprobleme. Als ihr auch das von Heroldsberger Spenden bezahlte Medikament nicht mehr half, und die Schmerzen zu schlimm wurden, wagte sie trotz ihres Alters (84) im August eine Bypassoperation, starb aber zwei Wochen später am 7.9. Meine Frau und ich konnten am Schluss unseres Saransk-Besuchs an ihrer Beerdigung teilnehmen. Wir und viele Heroldsberger werden sie nie vergessen.

Pastor W. Michelis 70 Jahre alt
Wladimir Adamowitsch Michelis wurde am 1.12.1946 als dritter Sohn eines 1941 nach Sibirien deportierten wolgadeutschen Ehepaars geboren. Die fromme Mutter betete und sang mit ihren Kindern innerhalb der Familie in deutscher Sprache; das prägte Wladimir als jüngsten Sohn sehr nachhaltig.
Schulzeit und Lehrerstudium erlebte er in der Millionenstadt Kujbyschew (heute wie- der Samara) an der Wolga. Neben seinen Pflichten trieb er, vom Körperbau dafür besonders geeignet, ganzjährig erfolgreich Langlauf. Im August 1970 kam er ins Kaliningrad-Gebiet, arbeitete zuerst als Lehrer, dann, um Anrecht auf eine Wohnung zu bekommen, in einem großen Metallbetrieb, und wurde bald ein wichtiger Sportorganisator in der Region und dem Gebiet. Im strengen Atheismus der Sowjetunion hatte er den christlichen Glauben nur für sich und durch Bibellektüre lebendig halten können. Als aber nach der Öffnung des Gebietes seit 1991 deutsche Pfarrer zu Aufbau und Versorgung evangelischer Gemeinden kamen, wurde Wladimir für sie ein notwendiger und sehr qualifizierter Dolmetscher. Bei diesem Dienst, in intensiven Gesprächen mit den Pfarrern und durch Lektüre theologischer Bücher bildete er sich in den nächsten 6 Jahren theologisch so weit, dass er 1997 durch Erzbischof Prof. Dr. Kretschmar zum Prediger gesegnet und erster russischer Geistlicher im Gebiet wurde. 2002 ordinierte ihn Bischof Springer zum Pastor für die Versorgung mehrerer Gemeinden, darunter auch unserer Partnergemeinde. Er war Dolmetscher bei Synoden in Kaliningrad und in Moskau, Berichterstatter bei kirchlichen Gremien in Deutschland, vertritt noch zeitweise den Propst.
Seit mehreren Jahren betreut er außer Saransk noch zwei andere Gemeinden auf Honorarbasis, um seine kleine Rente aufzubessern. Wir sind dankbar für seinen Dienst und die Freundschaft mit ihm. Für sein begonnenes neue Jahrzehnt wünschen wir ihm Gottes Segen in seinem Dienst und privat mit seiner Frau Natascha in Tschernjachowsk / Insterburg.
Klaus Plorin

Neues aus Saransk

Erfreuliches und Trauriges

Herzliche Grüße an Sie alle von den Familien in der Partnergemeinde und großen Dank an alle freundlichen Spender für erneute finanzielle Hilfen haben meine Frau und ich von unserer achttägigen Reise Anfang September nach Saransk auch diesmal wieder mitgebracht.

Diesmal im Hotel Forsthaus
Für unsere Einreise verlangten die neuen russischen Visa-Bestimmungen eine Hotelbuchung. Dafür gab es im Bereich unserer Partnergemeinde nur das schlichte, aber sehr gastfreundliche und preiswerte Hotel „Dom lesnika“ in Sosnovka. Leider konnte unsere vertraute Freundin und Dolmetscherin Albina nach ihrer Bypass- OP uns diesmal nicht begleiten. Nachdem sie die OP überlebt hatte, hofften wir auf einen Besuch bei ihr am Ende unseres Aufenthalts. Aber an ihrer Stelle konnte uns Pastor Michelis vier Tage lang begleiten. Wir besuchten 17 Familien, überreichten kleine Geschenke, führten intensive Gespräche, gaben gezielte finanzielle Hilfen gerade bei mehreren Kranken.

Gottesdienst und Besuche
Am Montag, 5.9., machten wir erste Besuche und feierten nachmittags bei Vera Frisen mit 18 Gästen den Abendmahlsgottesdienst. Zum gemeinsamen Essen an langer Tafel im Freien hatte fast jeder Obst und Gemüse aus seinem Garten und eigenes Gebäck und Spezialitäten mitgebracht. In friedlicher Stimmung plauderte man fröhlich bis zum Abschied und den z.T. bis zu 30 km weiten Fahrten nach Hause.
Am Dienstag besuchten wir in Krasnoe Ehepaar Malischkin und Tochterfamilie Litwinow, In Iljitschowo erzählte Valentina Motjatschowa von ihrer Arbeit als Putzfrau im früheren Gemeindehaus in Lomonossowka, wo nun das Büro, Garage und Schlafräume für den Chef der Torffirma untergebracht sind, welche Veränderung! In Saransk geht es Anatolij Koslow nach seiner Bypass-OP endlich besser. Abends erreichten wir telefonisch Albina. Sie fühlte sich sehr schlecht und sprach vom Sterben. Dass wir sie am Freitag besuchen wollten, freute sie.

Trauer um Albina
Am Mittwoch fuhren wir Drei die weite Strecke nach Nachimowo, wo uns bei Familie Aljew ein Anruf von Albinas Enkelin Vika mit der traurigen Nachricht von Albinas Tod erreichte. Als wir dies bei den nächsten Familien weitersagten, waren alle traurig, mehrere weinten, denn Albina war beliebt.

Unser Wechselbad guter und schlechter Nachrichten ging weiter. Die vor Jahren von Heroldsberger Spenden bezahlte Herzoperation bei Ilja Koslow hat gut geholfen; er ist nun ein gesunder, kräftiger junger Mann. Sein so schwer nierenkranker Onkel Valerij kann nicht mehr selbst Auto fahren; seine Schwiegertocher Sina fährt ihn jede Woche viermal zur Dialyse. Der krebskranke Sohn Wolodja von Irina Komorowa in Druschnoje hatte schon die sechste Chemotherapie, es ging ihm aber danach leider sehr schlecht.
Am Donnerstag blieben wir auf dem so schlechten Weg zum abgelegenen Haus von Pachomows am Ende von Bogatowo mit dem Auto fast stecken, mussten die Strecke zu Fuß gehen. Vera zeigte uns Fotos von der Hochzeit ihres Enkels Schenja, unseres Patensohns, den ich vor 20 Jahren taufte. Sie wollen wegen des schwierigen Weges ihr Haus verkaufen, finden aber keinen Käufer. Swinarenkos kämpfen weiter gegen die Feuchtigkeit in ihren Hauswänden und gegen ihre Diabetes, unter der dort viele leiden, wohl verursacht durch falsche Ernährung. Nina Jankowski, mit 87 Jahren, Älteste der Gemeinde, die ein gutes Deutsch spricht, kann kaum noch gehen. Sohn und Schwiegertochter versorgen sie gut und bringen sie immer zu den Gottesdiensten. Lena Satjukowa fühlt sich mit ihrem neuem Partner „super choroscho“.

Dankbarer Abschied
Am Freitag verabschiedeten wir uns von Pastor Michelis, fuhren nach Zelenogradsk und nahmen mit über 40 Leuten an der Beerdigung von Albina teil. An ihrem offenen Sarg konnte ich ein russisches Segenswort sagen.
Wir sind ihr sehr dankbar für ihre 25-jährige Freundschaft mit uns und für ihre vielen hilfreichen Dolmetscherdienste in der Partnergemeinde seit 1996. Sie hat sprachlich und mit ihrer be- sonderen Art viele gute Brücken zwischen den Menschen in Saransk und Heroldsberg und auch anderswo geschlagen. Wir werden sie nie vergessen.

Klaus Plorin

Neues aus Saransk

Neues, diesmal aus Moskau

Nachrichten über Krankheiten, Unglücks- und Sterbefälle, die traurig machen, musste ich aus unserer Partnergemeinde leider schon mehrmals mitteilen. Meistens hatte mir darüber Pastor Michelis am Telefon berichtet, wenn er im Gottesdienst oder bei Besuchen davon erfuhr. Zwei neueste Nachrichten kommen allerdings nicht aus Saransk, sondern aus Moskau.
Sie sind sehr beunruhigend. Denn sie betreffen das gottesdienstliche Leben der Evang.-Luth. Kirche in ganz Russland, also auch in der Propstei Kaliningrad / Königsberg und damit in der Gemeinde Saransk, sowie die Visa-Erteilung.

Neue Anti-Terror-Gesetze
Das russische Parlament, die Duma, hat am 24. Juni eine Reihe von Anti-Terror-Gesetzen beschlossen. Einige ihrer Regelungen betreffen Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften ganz unmittelbar. So dürfen künftig keine Gottesdienste mehr in Wohnungen oder Büros gefeiert werden, sondern nur in „religiösen Gebäuden“.
Das ist wahrscheinlich in erster Linie gegen die gerichtet, von denen man islamistische Terrorgefahren befürchtet. Weniger gegen die ungefährliche Lutherische Kirche. Dass diese aber nun mit betroffen ist, wirft für sie große Probleme auf. „Die Situation ist sehr, sehr ernst“, sagte ein Sprecher der Evang.-Luth. Kirche im europäischen Russland (ELKER) dem Gustav-Adolf-Werk in Leipzig. Denn die meist kleinen lutherischen Gemeinden in Russland besitzen nur wenige „religiöse Gebäude“, also Kirchen oder staatlich anerkannte Gemeindehäuser. Deren Unterhalt ist nämlich schwer zu finanzieren. So war es ja auch beim früheren Gemeindehaus unserer Partner in Lomonossowka, das nach rund 10 Jahren Benutzung schwerwiegende Schäden hatte. Es musste schließlich leider verkauft werden.
Seit Jahren kommen deshalb die Besucher zu den Gottesdiensten mit Pastor Michelis in der Wohnküche von Vera Frisen in Sosnowka zusammen, an denen auch mehrere Heroldsberger Besucher schon einige Male teilnahmen.
So ähnlich ist es in den meisten anderen lutherischen Gemeinden dort. Wenn das nun verboten wird, wo kann man dann noch Gottesdienste feiern ? Nur vier evangelische Kirchen gibt es im Propsteigebiet, und als „religiöse Gebäude“ anerkannte Gemeindehäuser nur an wenigen Orten.

Konsequenzen
Wie mir Pastor Michelis am Telefon sagte, hat der Pastorenkonvent der Propstei über mögliche Folgen der neuen Gesetze beraten, will zunächst aber die genaueren Ausführungsregelungen abwarten und bis dahin die bisherigen Wohnräume weiterhin für Gottesdienste benutzen. Wenn meine Frau und ich ab 4. September für eine Woche wieder die Partner besuchen, wollen wir den Gottesdienst am 5.9. noch am gewohnten Ort feiern, und hoffentlich ohne Probleme. Würden die Gesetze strenger angewendet, müssten unsere Partner in Zukunft in die Kirche oder das Gemeindehaus von Turgenjewo, westlich des Gemeindebereiches ausweichen. Wie das verkehrsmäßig zu schaffen wäre, ist wegen der nur wenigen öffentlichen Buslinien sehr schwierig.

Hotel streng vorgeschrieben
Eine weitere Änderung betrifft die Visa-Erteilung. Eine Voraussetzung ist nun eine feste Hotelbuchung. Unser vertrautes, gutes Quartier im Haus von Nikodemus Redler, wo wir uns mit unseren Gruppen immer sehr wohl gefühlt haben, genügt dieser Vorschrift nicht. Wir haben nun Zimmer im Hotel „Dom lesnika“ (Forsthaus) in Sosnowka buchen und dabei auch den Termin verschieben müssen. Wir hoffen, dass uns unsere Freundin Albina (84) trotz ihrer Herzprobleme wieder als Dolmetscherin begleiten kann.

Von Pastor Michelis erfuhr ich, dass Anatolij Koslow sich nach seiner Bypassoperation weiterhin schwach fühlt. Er sei gestürzt, habe sich schlimm verletzt, wieder in die Klinik gemusst; seine Beine seien stark geschwollen. Seine Frau Ljuba bittet auch uns um Fürbitten für ihren kranken Mann.

Saransk-Gottesdienst am 25.09.2016

Herzliche Einladung

zum Saransk-Gottesdienst am 25.09.

Über die neue Entwicklung und unsere Begegnungen und Erlebnisse dort werden meine Frau und ich im Saransk-Gottesdienst am 25.09. berichten. Dazu laden wir Sie alle herzlich ein. Helfen Sie bitte mit, dass unsere Gemeindepartnerschaft auch durch Ihr Interesse, Ihre Verbundenheit und Hilfe auch nach 21 Jahren weiter leben kann, zur Freude und zum Segen für unsere dortigen Glaubensgeschwister und auch für uns Heroldsberger!

Mit guten Wünschen für die Ferienzeit grüßt Sie freundlich
Ihr Klaus Plorin.